Samstag, 9. Juli 2011

Aroma-Philosophie – oder die Suche nach der Gesundheit in der Aromapraxis

„Wenn der Mensch krank ist, kann die innere Harmonie aus dem Gleichgewicht geraten sein“ (Tibetische Weisheit).

In der Entwicklung der Medizin und in der Aromatherapie beschäftigt man sich mit der „Pathogenese“. Pathogenese bedeutet, nach der Ursache der Krankheit zu suchen, oder nach einem Weg, Krankheiten zu bekämpfen. In vielen alten Kulturen, wie zum Beispiel in der TCM (Traditionellen Chinesischen Medizin), der Ayurveda oder der tibetischen Medizin, ist das Interesse darauf ausgerichtet, die Gesundheit zu fördern und zu unterstützen. Auch in der Gesundheitspraxis und in der Salutogenese ist daran gelegen, eine gesundheitliche Harmonie herzustellen. Der Aroma-Gesundheitspraktiker nutzt dabei die Kraft der ätherischen Öle.

Wozu dienen Duftstoffe?

Duftstoffe dienen der Orientierung, der Kommunikation und der Fortpflanzung. Sie bauen Vertrauen auf. Forscher haben herausgefunden, dass Pflanzen auch untereinander kommunizieren. Sie kooperieren sogar mit Tieren[1].

Haben Pflanzen eine Seele?

Der Philosophieprofessor Hans Werner Ingensiep ging in seinem Buch „Geschichte der Pflanzenseele“ (Köner Verlag, 2001) der Frage nach, ob Pflanzen eine Seele besitzen. Laut Professor Ingensiep gibt es aus der Perspektive der Evolution grundsätzlich keinerlei Gründe, Pflanzen als „Underdogs“ in der Ethik zu bezeichnen. Doch gibt es aus ethischer Sicht eine große Differenz zwischen Pflanzen und Tieren einerseits und Menschen andererseits. Menschen sind seiner Meinung nach bisher die einzigen bekannten Wesen, die moralische Verantwortung übernehmen können – für Menschen, für Tiere und für Pflanzen[2].

In der Aroma-Gesundheitspraxis sieht man das ätherische Öl als Essenz, vielleicht sogar als Seele der Pflanze. Dies wirkt befremdlich, doch Pflanzen kommunizieren durch Duftstoffe untereinander und wirken über das limbische System auch auf den Menschen. Sie kommunizieren gewissermaßen auch mit uns.

Wie sehr beeinflussen uns Düfte?

Düfte begleiten uns in unserem täglichen Leben. Wir nehmen sie bewusst oder unbewusst auf. Sie lösen in uns Reaktionen, Emotionen und Erinnerungen aus. Jeder von uns kennt Situationen, die er mit Düften verbindet, zum Beispiel den Geruch des Elternhauses. Gerüche sind für uns angenehm oder auch unangenehm.

Selbst die Industrie hat bemerkt, dass optische und akustische Reize nicht mehr ausreichen um Kunden anzuziehen. Man versucht, den Kunden mit Düften zu locken. Es werden Geruchsstoffe versprüht, um ihn auf sich und das eigene Produkt aufmerksam zu machen. Ihm soll ein Gefühl von Geborgenheit, Wohlbefinden und Vertrauen gegeben werden, und damit seine Kaufbereitschaft zu steigern. Ein Journalist schrieb: „Air-Design wirkt in der Dingwelt wie Glutamat in der Kochindustrie: als purer Geschmacksverstärker der Kauflust“ [3]. Inzwischen ist es der Wissenschaft sogar gelungen, natürliche Düfte im Labor so nachzubauen, dass selbst ein Experte Schwierigkeiten hat, die Düfte zu unterscheiden.

Wie können ätherische Öle die Gesundheit unterstützen?

In der Aroma-Gesundheitspraxis spielen die Erfahrung und die Wahrnehmung eine große Rolle. Der Aroma-Gesundheitspraktiker begleitet seinen Klienten durch diese Erfahrung. Dabei kommt es ihm aber nicht – wie in der Aromatherapie – auf die körperlichen Leiden und Symptome an. Vielmehr geht es darum, einen Weg zu finden, die momentanen Bedürfnisse des Klienten zu erfassen und ihn durch die Themen, die ihn gerade beschäftigen, zu begleiten. Dabei kann er verschiedene Phasen durchlaufen. Ich beschreibe sie wie folgt:

v     die Wohlfühlphase.
Ø      Ich genieße den Moment mit dem ätherischen Öl meiner Wahl, um es mir gut gehen zu lassen. Somit kann ich Kraft für den Alltag schöpfen. Das ätherische Öl und die Anwendung des Öles ist die Ruheoase, Entspannung und Vitalität.

v     die Ausleitungsphase.
Ø      Ich möchte mich von einem Thema, das mich beschäftigt, lösen (z. B. Trennungsphase). Bei diesem „Loslass-Prozess“ kann ein passendes Öl mich begleiten.

v     die Regenerationsphase.
Ø      Ein ätherisches Öl kann mich ergänzend durch eine Krankheit begleiten, meine Lebensqualität erhöhen und die Selbstregulation aktivieren. Dabei muss die Grenze der Therapie zur Gesundheitspraxis beachtet werden. Es geht dabei um das Wohlbefinden und nicht um die Krankheit. Dies sollte in Zusammenarbeit mit Ärzten, Heilpraktikern oder Therapeuten erfolgen.

v     die Kreativphase.
Ø      Das ätherische Öl meiner Wahl kann mir ganz neue Ideen geben oder Gedankenanstöße, ein gewünschtes Ziel zu erreichen.

v     die Widerstandsphase.
Ø      Ich setze mich bewusst, mit einem ätherischen Öl und seinem Thema auseinander. Diese Erfahrung kann mir helfen Dinge die mich beschäftigen zu klären, auch wenn mir der Duft ansonsten widerstrebt. Dies ist bei der Prüfung eines ätherischen Öls eher für den Aroma-Gesundheitspraktiker von Bedeutung.

Auch die Kommunikation zwischen Aroma-Gesundheitspraktiker und Klienten ist dabei von großer Bedeutung. Nur in Gesprächen können auch die Bedürfnisse des Klienten erfasst und umgesetzt werden. Damit geht man eventuellen Missverständnissen aus dem Weg.

Meine Erfahrung in der Aroma-Praxis!

Es gibt in der Gesundheitspraxis verschiedene Wege und Methoden die ätherischen Öle einzusetzen. Mein Weg ist es, meinen Klienten mit Hilfe kleiner „philosophischer Wortspiele“ eine Brücke zu den ätherischen Ölen zu bauen. So mache ich es auch in meinen interaktiven Vorträgen, in denen das Publikum mit einbezogen wird.

Wie ein Rezept für einen guten Kuchen mische ich das Wissen der verschiedenen Aromaexperten mit Jahrtausende alter Kultur. Dabei begleitet mich mein Interesse an Pflanzen, Psychologie, Ländern, Religionen, Kulturen und der Kunst. Heraus kommt ein kreativer Mix, den ich nun in meiner Praxis verwende und seit 2005, erst im kleinen Rahmen und nun auf einem Weblog und in der Verbandzeitschrift der DGAM (Deutschen Gesellschaft alternativen Medizin) veröffentliche. Dabei geht es mir nicht darum, sture Theorie zu vermitteln. Es soll Jung und Alt Spaß machen, sich mit den Düften zu beschäftigen und seine Wahrnehmung zu fördern. „Learning by doing“ und Sinnsprüche erleichtern es, eine Verbindung zu schaffen, die ätherischen Öle nicht nur bei Krankheiten einzusetzen. Außerdem soll es auch Spaß machen die Gesundheit zu fördern und das am besten in einem stimmigen und vertrauten Rahmen mit einem Experten.

© Tina Böhm - Rodenberg


[1] Nachzulesen bei: Arzt, Volker: Kluge Pflanzen, Bertelsmann Verlag (2009)
[2] Nachzulesen bei: Koechlin, Florianne, PflanzenPalaver, Lenos Verlag (2009)
[3] Quelle: Hatt, Hanns, Regine Dee: Niemand riecht so gut wie du, Piper Verlag (2010)

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